Die Symbolik der Osterkerze Text: Schwester Clara Vasseur OSB Abtei Mariendonk
Diakon verkündet die Osterbotschaft Exsultet-Rolle aus dem 12. Jahrhundert Abbildung mit freundlicher Erlaubnis der Benediktinerabtei Ettal
Der Brauch, an Ostern eine besondere Kerze anzuzünden, ist sehr alt. Die ältesten schriftlichen Zeugnisse stammen aus dem vierten Jahrhundert. Dieser Brauch knüpft an eine alte heidnische Tradition an. Zum Kult in der Antike gehörten das Opfer und oft ein Hymnus, der die Gottheit rühmt, der das Opfer dargebracht wurde. Die Osterkerze ist ursprünglich nichts anderes als ein Brandopfer und der österliche Lobgesang, das Exsultet der begleitende Hymnus. [Der Name Exsultet leitet sich, ähnlich wie bei anderen Gebeten (z.B. Gloria, Credo), vom ersten Wort des lateinischen Textes ab.]. Neben diesem eigentlich ganz in Vergessenheit geratenen Ursprung, der uns vielleicht nur noch in der Form der olympischen Flamme bekannt ist, entwickelte sich bald eine eigene Deutung der Osterkerze. In dem reinen "Leib" der Kerze aus teurem, gebleichtem Bienenwachs sah man ein Sinnbild für die menschliche Natur Christi oder für seinen verklärten Leib nach der Auferstehung, während man die Flamme als Zeichen seiner göttlichen Natur auffasste. Die Flamme sollte nicht mehr von brennenden, übelriechenden Tierleibern genährt werden, sondern von reinen, wohlriechenden Elementen (Bienenwachs, Öl und Papyrus, der für den Docht gebraucht wurde). Die Osterkerze ist also ein Brandopfer, das Gott während der Liturgie dargebracht wird und mit anderen Opferpraktiken verglichen werden kann. Die Kerze wird aus flüssigem Wachs gezogen. Spätestens Mitte des zweiten. Jahrh. n. Chr. waren Wachskerzen so weit entwickelt, dass sie in geschlossenen Räumen verwendet werden konnten, ohne durch Rußen und unangenehmen Geruch lästig zu werden. Das Material, aus dem die Kerze besteht, wird im Osterlob besonders gewürdigt. Wachs galt als sehr kostbar, weil es mit mühevoller Arbeit verbunden und weil es der fleißigen und jungfräulichen „Mutterbiene“ zu verdanken war. So wird die Biene mit Recht zumindest in der ursprünglichen Fassung des Osterlobpreises sehr ausführlich gerühmt. Die Osterkerze steht in Verbindung nicht nur mit dem Heidentum, ihrer Herkunft wegen, sondern auch mit einer Überlieferung jüdischer Herkunft, nämlich mit dem Exodus-Geschehen. Wie das Volk Israel damals durch die Wüste und durch das Rote Meer hindurchgezogen ist, indem es der Feuersäule folgte, so ziehen jetzt die Christen in der Osternacht in die Kirche ein und folgen der brennenden Flamme der Kerze.
Nur ein Tier hat es „geschafft“, in den offiziellen Gebetsschatz der Kirche aufgenommen zu werden, gar in das feierliche Exsultet der Osternacht. Dort hören wir:
„In dieser gesegneten Nacht, heiliger Vater, nimm an diese Kerze als unsere festliche Gabe! Aus dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet, wird sie dir dargebracht von deiner heiligen Kirche.“
Benediktinerabtei Schweiklberg Osterkerze 2006
Benediktinerabtei Schweiklberg Kerze handgezogen aus 100% Bienenwachs von Br.Clemens Wittmann OSB
Kerzenzier von Schwester Clara Vasseur OSB Abtei Mariendonk Länge:100cm, Gewicht: 5,6 kg
Osterkerze aus 100% Bienenwachs, handgezogen von Bruder Clemens Wittmann OSB Benediktinerabtei Schweiklberg Länge: 40 cm, Gewicht 1,2 kg. Ornametale Gestaltung durch Schwester Clara Vasseur OSB Benediktinerinnenabtei Mariendonk
Osterkerze der Benediktinerabtei Plakstetten. Kerze aus 100 % Bienenwachs in der Kerzenwerkstatt von Kloster Schweiklberg von Hand gezogen. Kerzenzier: Schwester des Karmel Wemding. Länge: 100 cm Gewicht 6,1 kg